Kontowechsel mit Kontowechselservice

Haushalt


Früher war alles besser, heißt es immer. In Sachen Bank wechseln, soll sich dies geändert haben. Der Gesetzgeber hat Ende 2016 ein entsprechendes Gesetz – das Zahlungskontengesetz – erlassen und wollte damit Verbraucher bei dem unbeliebten Thema des Kontenwechsels unterstützen. Mehr als drei Jahre später war es an der Zeit den Service zu testen. Hier unsere Erfahrung und Tipps.

Warum Konto bzw. Bank wechseln?

Die Hintergründe sind vielfältig. Grund Nummer eins sind wohl Kontogebühren. Die Anzahl der kostenlosen Angebote ist gesunken. Comdirect bietet zum Beispiel noch ein kostenlos Konto an. Bei manchen Banken sind die Gebühren gestiegen. Teilweise die monatlichen Kontoführungsgebühren, teilweise auch die Nebenkosten.

Ein weiterer Grund ist der Service. Service vor Ort wird natürlich immer seltener gefragt. Nicht umsonst sinkt die Anzahl der Filialen kontinuierlich. Bedeutet im Umkehrschluss: viele Dinge müssen online erledigt werden. Hier ist die Anwenderfreundlichkeit nicht bei allen Banken gleich. Gerade die Zahlungsrichtlinie PSD2 sorgte für Ärger. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Nervig und zusätzliche Kosten durch SMS Tan

Die Zahlungsrichtlinie wurde von den Banken durchaus unterschiedlich umgesetzt. Die Authentifizierung soll auf zwei Wegen geschehen. Einmal mittels Zugangsdaten und zum anderen zum Beispiel per PhotoTAN oder SMS TAN. Soweit so gut – der Teufel liegt im Detail. Bei manchen Banken reicht eine Bestätigung mittels Photo/SMS-TAN alle 90 Tage (zum Beispiel Sparkasse, Volksbank, comdirect). Andere Banken, wie zum Beispiel die commerzbank möchten bei jedem Login eine TAN. Gerade wer mit der meist kostenpflichtigen SMS Tan ausgestattet ist, kostet das nicht nur Zeit & Nerven, sondern auch Geld (üblich sind 9 Cent / SMS).

Kontowechsel in 10 Minuten?

Manche Banken versprechen einen Kontowechsel in 10 Minuten. Diese Angabe ist schon ambitioniert, aber der Service erleichtert den Bankwechsel schon sehr. Musste man früher alle Beteiligten händisch informieren, geht dies nun mit dem Kontowechselservice. Wie das im Detail funktioniert? Hier wird es erklärt:

Wie funktioniert der Kontowechselservice?

Man meldet sich im Banking-Bereich derneuen Bank an. Dort gibt es in der Regel direkt sichtbar  Menüpunkt “Kontowechsel”. Im nächsten Schritt benötigt die neue Bank, die alte Bankverbindung. Nach der Eingabe muss man sich mit seinen Onlinebanking Zugangsdaten der alten Bank authentifizieren. Wenn dies geschehen ist, werden die Lastschriften, Gutschriften und Daueraufträge ausgelesen und angezeigt. Dieser Vorgang dauert einen Moment.

Nach der Auswertung werden einem Schritt für Schritt alle Buchungen angezeigt. Man kann diese zum Wechselservice hinzufügen. Was bedeutet das? Was passiert dann? Die jeweiligen Firmen werden über den Kontowechsel informiert. Bevor das geschieht, sollte man jedoch im Vorfeld die jeweilige Kontonummer, Kundennummer, Mitgliedsnummer oder Versicherungsnummer angeben. Die Info erhalten die Firmen elektronisch. Es besteht auch die Möglichkeit Firmen aus der Info herauszunehmen. Wenn man zum Beispiel selber schon den Versicherungsvertreter oder Arbeitgeber informiert hat, muss dies nicht nochmal geschehen. Abschließend erhält man eine Übersicht, wer den alles informiert wird.

Bitte beachten

Ein paar Dinge muss man beim Kontowechselservice beachten. Wenn ein Amt, Firma, Bank, Verischerung darüber informiert wurde, dass man die Bank gewechselt hat wird der Vorgang geprüft. Er führt zu Rückfragen, wenn nicht alle Angaben oder Einwilligungen vorliegen. Beim Thema Einwilligungen ist zum Beispiel das Kindergeld zu nennen. Wenn nur ein Elternteil die Bankverbindung ändert, wird die Familienkasse sich beim anderen Elternteil melden und um Bestätigung bitten. Ähnliches gilt für Verträge bei Eheleuten. 

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Erfahrung und Fazit zum Kontowechselservice

Im Selbstversuch funktionierte der Kontowechselservice. Jedoch nicht so gut, wie gedacht. Es wurden zum Beispiel nicht alle Lastschriften angezeigt. Dies sorgte dafür, dass man ein paar Dienstleister / Händler manuell hinzufügen musste. Dies ging jedoch sehr komfortabel, da es eine große Auswahl von Händlern, Versicherungen, Banken gab. Diese musste man lediglich anklicken und hinzufügen. Wie oben erläutert, musste auch hier zum Beispiel eine Kundennummer angegeben werden. Das sorgt natürlich für etwas Aufwand. Unterm Strich ist es trotzdem eine große Erleichterung und vereinfacht das Wechseln der Bank. Es ist bei weitem jedoch nicht so einfach, wie zum Beispiel ein Stromanbieterwechsel.

Eine Sache möchte ich noch anmerken: In den meisten Fällen bekommt von den Händern und Co. die die neue Bankverbindung erhalten haben, eine Mail oder Schreiben mit dem Hinweis, dass die Bankverbindung geändert wurde. Dies ist jedoch nicht immer so. Gerade Banken – ja spannender Weise Banken – tun sich wirklich schwer damit. So gibt es Banken, die einfach die neuen Bankdaten bestätigen und andere die per Mail oder Post Formulare rausschicken, die man ausfüllen und zurück senden muss.

Und auch hier zeigen sich die Banken unterschiedlich digitalisiert:

Die ING Diba nimmt zum Beispiel die Änderungsmitteilung des Kontos via Kontenservice hin und bestätigt diese postalisch. Es fällt kein weiteres Todo für den Kunden an. Top! Ist damit aber alleine…. leider! Die Hanseatic Bank schickt per Mail ein Formular. Dieses kann man immerhin am PC ausfüllen. Man muss es jedoch dann per Post oder Fax versenden. Bei Barclaycard gibt es ein Formular per Post. Es ist nicht vorausgefüllt und man muss alles händisch ausfüllen. Übrigens auch Angaben, die man gar nicht ändern möchte….. man muss es trotzdem nochmal ankreuzen.

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